Bär Amelia in Arosa

Bären sind Ökonomen

Wie wirken sich die Frühlingstemperaturen auf die Bären aus? Und was machen Amelia und Meimo in der Winterruhe? 

23.3.2022

Der Temperatureinfluss auf das Verhalten der Bären

Amelia und Meimo haben sich im Spätherbst 2021 entschieden, ihre Winterruhen je einzeln in den Höhlen der Innenanlage zu machen. Somit konnten wir beide mit unseren Videokameras gut beobachten. Wie es sich gehört, sparten sie bärentypisch Energie. Bei Umgebungstemperaturen von deutlich unter 0°C ruhten sie in ihren trockenen, isolierten und windgeschützten Höhlen. Stiegen die Umgebungstemperaturen um die 0°C, machten sie sich zwischenzeitlich auf, um die Innenanlage zu erkunden und nach wenigen Minuten in die Höhle zurückzukehren. Bei milden Umgebungstemperaturen ruhten Amelia und Meimo täglich auch ausserhalb ihrer Höhlen und waren wiederholt in der Innenanlage aktiv. Den geöffneten Schieber mit Zutritt in die tief verschneite Aussenanlage mieden sie jedoch konsequent. Der Aufwand, sich im Tiefschnee fortzubewegen und kein Futter zu finden, ist im Energiesparmodus viel zu hoch. Die von Amelia und Meimo gezeigten Verhaltensmuster entsprechen damit dem natürlichen Verhalten von Bären. Auch in der Wildnis können Bären bei schneearmen und milden Wintern plötzlich aktiv werden. Das macht Sinn, denn es könnte mit wenig Aufwand etwas Futter gefunden werden. Bären sind wie alle anderen Säugetiere (inkl. Menschen) Ökonomen.

Winter im Arosa Bärenland

Das Arosa Bärenland ist immer noch winterlich eingeschneit

Das ökonomische Erwachen

Aufgrund der klimatischen Verhältnisse auf 2000 M.ü.M. werden unsere Bären erfahrungsgemäss in der ersten Aprilhälfte langsam aktiv. Sie beginnen, ihre Winterruhe zu beenden. Mit der Schneeschmelze und folglich mit dem Aufkommen der ersten grünen Blätter nehmen ihre Aktivitäten zu, weil es sich dann auch lohnt. In den Tierparks im schweizerischen Unterland haben die Bären ihre Winterruhe bereits beendet. Dort haben die braunen Ökonomen festgestellt, dass sie bei geringem Aufwand Futter finden können. Die Winterruhe bei den Bären ist natürlicherweise nach dem Prinzip «Aufwand & Ertrag» gesteuert. Ökonomie ist keine Erfindung des Menschen, es ist ein Naturgesetz.

Meimo im Arosa Bärenland

Sobald sich die Futtersuche im Frühling wieder lohnt, werden die Bären wieder draussen sein.


Der Einfluss der Vergangenheit auf die Winterruhe

Amelia und Meimo sind ausnahmsweise keine vorbildlichen Ökonomen. Da sie während ihren ersten 13 Lebensjahren gemeinsam in einem kleinen Käfig gehalten wurden, bauten sie eine andauernde, künstliche Geschwisterbeziehung auf, die heute noch anhält. Diese Beziehung ist menschengemacht. Ihr Bedürfnis, sich sogar während der Winterruhe zwischenzeitlich miteinander zu beschäftigen, ist offensichtlich. Diese Spielereien kosten jedoch Energie. Wilde Bären trennen sich im Alter von 2-3 Jahren von der Mutter und den Geschwistern und leben einzelgängerisch. Sie brauchen keine zusätzliche Energie mehr, um mit Geschwistern zu spielen. Das ist in der Wildnis überlebenswichtig. Um Amelia und Meimo müssen wir uns jedoch keine Sorgen machen. Unsere Tierpfleger*innen stellen sicher, dass sie durch ein reichliches Futterangebot im Herbst grosse Fettreserven aufbauen können und sie sich somit dieses kostspielige Hobby leisten können.

Untypisch:

Beide Bären schlafen in der gleichen Box oder spielen während der Winterruhe zusammen. Das ist untypisch aber in Arosa normal.

Zu den Webcams

Hansi

Wissenschaftlicher Leiter

«In einer natürlichen Landschaft für Bären und Besucher arbeiten zu können, ist für mich fantastisch.»

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